Schmidt & Paetzel Fernsehfilme
Niedstr. 28 12159 Berlin
post@schmidt-paetzel.de

 

 

 

 

Deutscher Streitfall: Der Historiker Ernst Nolte

"Gespräch mit einem Ketzer"


Kaum ein deutscher Historiker hat mehr geschrieben als der 1923 geborene Ernst Nolte. Und keiner ist so umstritten wie er, der 1986 mit seinem Artikel „Vergangenheit, die nicht vergehen will“ den Historikerstreit auslöste. Von der großen Mehrheit seiner Fachkollegen und Publizisten in Deutschland wird Nolte seither entschieden abgelehnt. Niemand in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland war je einer solchen Flut der Kritik ausgesetzt wie er, jedenfalls kein Wissenschaftler. Weit über tausend Zeitungsartikel befaßten sich mit Ernst Nolte und dem Historikerstreit, und die meisten nahmen gegen Nolte Stellung. Heute ist das öffentliche Urteil über ihn, der 1963 seine Laufbahn mit einem fulminanten Auftakt begonnen hatte, der ersten wissenschaftlichen Darstellung des „Faschismus in seiner Epoche“, beinah durchweg vernichtend. Sein vorgebliches Ziel, die Vergangenheit zu verstehen, sei nichts weiter als der Versuch, Hitler zu verteidigen und Auschwitz zu rechtfertigen.


Schon früh, als er auf der Höhe seines internationalen Ruhmes stand, nannte ihn ein Kollege den „einsamen Wolf“ der Geschichtswissenschaft. Und bis heute können auch  Kritiker eine gewisse Bewunderung oft nicht verhehlen. „Gestochen scharf, verbockt und anregend“, schreibt Götz Aly zu Noltes achtzigstem Geburtstag. So findet der eigentlich schon gänzlich Verdammte doch immer wieder Unterstützung im Lager seiner Gegner. Und es vergeht keine Woche, ohne daß der Name Noltes irgendwo im Feuilleton aufschiene. Entsteht in Deutschland eine neue linke Partei, schreibt die „Neue Zürcher Zeitung“, hier rege sich jene Linke, die Ernst Nolte „die ewige“ nannte. Erscheint ein neues Buch über Stalin und Hitler, schreibt der Berliner „Tagesspiegel“, Nolte sei mit seiner Frage „War nicht der Archipel Gulag ursprünglicher als Auschwitz?“ 20 Jahre zu früh gekommen. Geht es um die Meinungsfreiheit in Italien, weist die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ darauf hin, daß es der italienische Senat war, der Ernst Nolte zu einem Vortrag lud, „als hierzulande niemand mehr von ihm hören wollte“. Es ist, mit einem Wort, nie ganz still geworden um Nolte, trotz aller Ablehnung, und dies allein schon läßt aufhorchen. Ernst Nolte ist offensichtlich doch kein „erledigter Fall“, wie man nach dem Historikerstreit öfter lesen konnte.


Noltes Werk gehöre zu den tiefschürfendsten der letzten fünfzig Jahre, schrieb der bedeutende französische Historiker François Furet. Was ist denn eigentlich Noltes Werk? Wir betreten die „No-Go-Area“ Ernst Nolte („Neue Zürcher Zeitung“) und fragen ihn selbst. Was für ein Mensch wird uns begegnen? Ein starrsinniger Alter? Ein geifernder Fanatiker? Ein jenseits des Aktuellen stehender „Geschichtsdenker“, wie er sich selber nennt?


Ob Ernst Nolte mit seinen ketzerischen Thesen unrecht hat oder nicht, kann dieser Film ebensowenig klären, wie es die Debatten des Historikerstreits und der zwanzig Jahre seither konnten. Aber er kann, von dem Drama um Nolte ausgehend, einen Ausschnitt aus der Geschichte unseres Landes beleuchten: Von 1963, dem Jahr seines kometenhaften Aufstiegs, bis heute hat es sich verändert. Für Nolte, der früher als links galt und heute als rechts, ist es das Land, das sich gewendet hat, nicht er selbst.


Buch / Regie: Andreas Christoph Schmidt / Kamera: P. Petrides, F. Wimmer / Ton: I. Griese, K. Laabs / Schnitt: Andreas Christoph Schmidt / Tonmischung: Gerhard Jensen-Nelson /  Sprecher: Thomas Vogt / Mitarbeit: O. Fedianina, S. Mishunin / Produktionsleitung: C. Paetzel / Redaktion: Martina Zöllner / Produktion: Schmidt & Paetzel Fernsehfilme GmbH / Im Auftrag des Südwestrundfunks
79'36'' / 4:3 / Stereo / F / © 2005 SWR

Pressestimmen:

“Eine beeindruckend tiefgründige Analyse, die man dem Medium Fernsehen kaum zugetraut hätte”. (Die Welt)

“Andreas Christoph Schmidts Porträt von Ernst Nolte ist gelungen und handwerklich sehr gut gemacht”. (Süddeutsche Zeitung)

“Ein Porträt, das durch seine ungemein faire Haltung erfreut”. (FAZ)

 

 Mehr informationen zum Film finden Sie hier.