Schmidt & Paetzel Fernsehfilme
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Welthauptstadt Germania

Grimme-Preis 2006 (Sonderpreis Kultur)



Die Jury des 2. Urban Film Festival in Teheran hat den Film "Welthauptstadt Germania" mit dem "Best Research Award" ausgezeichnet.

Im Rahmen der 42. Adolf-Grimme-Preis-
Verleihung wurde “Welthauptstadt Germania” mit dem Sonderpreis Kultur des Landes NRW ausgezeichnet.
Aus der Jurybegründung: “Artem Demenok gelingt hier Erstaunliches: Er zeigt pointiert und ohne ideologische Scheuklappen, wie Architektur missbraucht werden kann, um politische Macht zu inszenieren. Dabei lädt uns der Filmemacher zugleich ein, unser auch von Stereotypen geprägtes Wissen über die NS-Architektur in Frage zu stellen.”


Pressetext zur Erstausstralung 2005:
2006 werden zum Endspiel der Fußballweltmeisterschaft rund vierundsiebzigtausend Menschen in das Berliner Olympiastadion strömen – in ein Gebäude, das einmal Teil von Hitlers Welthauptstadt „Germania“ sein sollte. Das Bundesfinanzministerium, Teile des Auswärtigen Amts sind in Monumentalbauten der Nazizeit untergebracht. Der Flughafen Tempelhof, von Reisenden wegen seiner zentralen Lage und seiner funktionalen Architektur geschätzt, bei vielen Berlinern der Erinnerung an die „Rosinenbomber“ wegen beliebt, er wäre als „Weltflughafen“ zu einem wesentlichen Bestandteil von Hitlers Berlin geworden.
Denn von hier aus wollte er die Welt regieren, und er sah Berlin, „Germania“, nur als den Ort der Repräsentation seiner Macht: „Einmal im Jahr wird dann ein Trupp Kirgisen durch die Reichshauptstadt geführt, um ihre Vorstellungswelt mit der Gewalt und Größe unserer steinernen Denkmale zu erfüllen“.
Beinah alles, was Berlin in den zwanziger Jahren bedeutet hatte, war den Nazis zuwider. „Diese Stadt werden wir neu gestalten. Es wird unser ganzer Ehrgeiz sein, ihr wieder ein deutsches Gesicht aufzuprägen“, schreibt Goebbels. Schon 1925 – acht Jahre vor der Machtergreifung – hatte Hitler zwei Hauptbauten der neuen Reichshauptstadt entworfen: eine riesige Kuppelhalle, die 180 000 Menschen fassen sollte und ein Triumphbogen von 117 Meter Höhe. Ein junger, ehrgeiziger Architekt namens Albert Speer soll die Ideen des Führers Wirklichkeit werden lassen.
Der Krieg kam dazwischen. Es wurde nichts aus Hitlers „Halle des Volkes“. Der Triumphbogen wurde nicht gebaut. Auch nicht das Reichsmarschallamt, in dessen Treppenhaus – dem größten der Welt – Göring alljährlich die Parole des Jahres verkünden wollte. Aber die von Speer entworfenen Kandelaber beleuchten noch heute die Ost-West-Achse, die Straße des 17. Juni.
Der Film zeigt mit historischen Aufnahmen die Projekte für die „Welthauptstadt Germania“. Der Architekturhistoriker Wolfgang Schäche, der Architekt Léon Krier und der Philosoph Boris Groys setzen sich mit der NS-Architektur auseinander: Ist die Architektur von Despoten immer auch eine Architektur der Unterdrückung? Kann man diese Architektur sehen, ohne die Verbrechen der Nationalsozialisten zu sehen? Ist diese Architektur gut oder schlecht, unabhängig von dem, was ihre Erbauer wollten? Kann ein Verbrecher ein bedeutender Architekt sein?


Buch und Regie: Artem Demenok / Kamera: Andreas Bergmann / Kamerabühne: Thino Mönig, Jörg Mertink / Schnitt: Vera Sorrentino / Ton: Jürgen Kornatz / Tonmischung: Gerhard Jensen-Nelson / Sprecher: Gunter Schoß / Redaktionelle Mitarbeit: Sergey A. Mishunin / Produktionsleitung: Cordula Paetzel, Rainer Baumert (rbb) / Produzent: Andreas Christoph Schmidt / Redaktion: Hans von Brescius, Peter Gottschalk, Dagmar Mielke, Martina Zöllner / Eine Produktion von Schmidt & Paetzel Fernsehfilme / Im Auftrag von rbb und SWR / In Zusammenarbeit mit ARTE
52'29'' / 4:3 / Stereo / F + SW / © 2005 rbb SWR ARTE