{"id":292,"date":"2020-05-28T09:44:38","date_gmt":"2020-05-28T09:44:38","guid":{"rendered":"http:\/\/schmidt-paetzel.de\/?page_id=292"},"modified":"2020-05-28T09:45:22","modified_gmt":"2020-05-28T09:45:22","slug":"rote-arktis-eroberung-des-nordpols-1937-kommentartext","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/schmidt-paetzel.de\/?page_id=292","title":{"rendered":"Rote Arktis. Eroberung des Nordpols 1937, Kommentartext"},"content":{"rendered":"\t\t<div data-elementor-type=\"wp-page\" data-elementor-id=\"292\" class=\"elementor elementor-292\">\n\t\t\t\t\t\t<section class=\"elementor-section elementor-top-section elementor-element elementor-element-3662d09 elementor-section-boxed elementor-section-height-default elementor-section-height-default\" data-id=\"3662d09\" data-element_type=\"section\">\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-container elementor-column-gap-default\">\n\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-column elementor-col-100 elementor-top-column elementor-element elementor-element-41fa5bb\" data-id=\"41fa5bb\" data-element_type=\"column\">\n\t\t\t<div class=\"elementor-widget-wrap elementor-element-populated\">\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-element elementor-element-e216332 elementor-widget elementor-widget-text-editor\" data-id=\"e216332\" data-element_type=\"widget\" data-widget_type=\"text-editor.default\">\n\t\t\t\t<div class=\"elementor-widget-container\">\n\t\t\t\t\t\t\t<p>00:06\u00a0<\/p><p>Seit jeher zieht es Menschen in den Norden, ins Eis der Arktis. Abenteuerlust, Ehrgeiz, Forscherdrang, die allgemeine menschliche Rastlosigkeit \u2013 es mag viele Gr\u00fcnde daf\u00fcr geben.<\/p><p>00:28<\/p><p>Heute spielen Bodensch\u00e4tze eine gro\u00dfe Rolle, Seewege, Gebietsanspruch, Macht.<\/p><p>\u00a0<\/p><p>00:39 Zitat<\/p><p>Was wir tun, tun wir nicht des Ruhmes wegen! Wir vollbringen eine wichtige Tat \u2013 sie wird unserem Land neuen Glanz verleihen.<\/p><p>\u00a0<\/p><p>00:50 Kommentar<\/p><p>Dies ist die Geschichte einer sowjetischen Polarexpedition.<\/p><p>Sie spielt vor dem Hintergrund des Stalin-Terrors.<\/p><p>\u00a0<\/p><p>01:03<\/p><p>Was sp\u00e4ter die ersten Weltraumfl\u00fcge, war 1937 die Papanin-Expedition. Sie tr\u00e4gt ihren Namen nicht ganz zu Recht. Aber Papanin ist der Name, der sich eingepr\u00e4gt hat, und noch heute kennt ihn in Ru\u00dfland jedes Kind.<\/p><p>\u00a0<\/p><p>Titel 1\u00a0 Rote Arktis<\/p><p>\u00a0<\/p><p>01:43 O-Ton Rostislaw Brontman<\/p><p>Zu Hause tauchten pl\u00f6tzlich Daunenschlafs\u00e4cke auf, Fellkleidung vom Kopf bis zu den F\u00fc\u00dfen, Pelzstiefel, riesige Filzstiefel, warme Unterw\u00e4sche, Handschuhe bis zu den Schultern, pelzgef\u00fctterte Fliegerkappen, eine Sturmhaube, eine gro\u00dfe Schutzbrille \u2013 da war klar, Papa f\u00e4hrt wieder in den Norden.<\/p><p>\u00a0<\/p><p>Titel 2\u00a0 Eroberung des Nordpols 1937<\/p><p>\u00a0<\/p><p>02:27 O-Ton Sigurd Schmidt<\/p><p>Wir wu\u00dften, da\u00df Papa eine Expedition zum Nordpol plant. Er fuhr \u00f6fter als sonst in den Kreml zu Geheimverhandlungen. Uns hatte man gesagt, dass dar\u00fcber nicht geredet werden darf, wir aber fanden genug Gelegenheit, allen zu erz\u00e4hlen, dass es bald eine Expedition zum Nordpol geben wird.<\/p><p>\u00a0<\/p><p>02:49 Kommentar<\/p><p>Auf einem Feld bei Moskau, Februar 1937. Vier M\u00e4nner proben hier, wie man in Eis und Schnee kampiert. Und eine Funkstation einrichtet.<\/p><p>03:05<\/p><p>Die jungen Wissenschaftler Pjotr Schirschow und Jewgeni Fjodorow.<\/p><p>03:14<\/p><p>Iwan Papanin, ehemals Matrose, Schlosser, Mitglied der Tscheka, der Geheimpolizei, sp\u00e4ter im gehobenen Postdienst. Dann Arktisforscher.<\/p><p>\u00a0<\/p><p>03:32 O-Ton Valentina Romanenko<\/p><p>Er war ein Mensch mit gro\u00dfem Humor, ein Spa\u00dfmacher. Von ihm ging immerzu eine erfrischende Fr\u00f6hlichkeit aus. Das ist wohl einer der Gr\u00fcnde, warum er ausgew\u00e4hlt wurde f\u00fcr den Nordpol.<br \/>Das einfache Volk liebte ihn sehr. Alles klatschte, wenn er auftrat. Er dr\u00fcckte sich so direkt aus. \u00dcberhaupt war er ein interessanter Mensch. Aber ich, ich sch\u00e4mte mich manchmal f\u00fcr ihn. Ich war jung und h\u00e4tte es gern gehabt, wenn er beim Sprechen nicht so viele Fehler gemacht h\u00e4tte.<\/p><p>\u00a0<\/p><p>04:07 Kommentar<\/p><p>\u201eGeneralprobe\u201c in geheimer Mission: Die M\u00e4nner sollen mit Flugzeugen an den Nordpol gebracht werden, dort ihr Lager aufschlagen und sich m\u00f6glichst lange halten.<\/p><p>04:18<\/p><p>Der Vierte: Der Funker Ernst Krenkel, ein Mann mit deutschen Vorfahren. Er ist ein erfahrener Polarforscher und h\u00e4lt einen Weltrekord, weil er einmal vom Nordpolarmeer aus einen Funkkontakt zu einer amerikanischen S\u00fcdpol-Expedition hergestellt hat.<\/p><p>\u00a0<\/p><p>04:38 O-Ton Theodor Krenkel<\/p><p>In seinem Tagebuch steht: Ich verbringe einen Winter in der Arktis, ich verbringe noch einen Winter in der Arktis, aber eigentlich wei\u00df ich nicht wozu. Des Geldes wegen mache ich das nicht. Was ist das Ziel?<br \/>Mit anderen Worten: Eine Neigung war da, aber sie war ganz romantisch begr\u00fcndet. Jetzt aber wurde alles auf eine staatliche Grundlage gestellt.<\/p><p>Otto Schmidt war eine magnetische Pers\u00f6nlichkeit. Nach ihm richtete Vater seine Kompassnadel aus, oder Komp\u00e1\u00df, wie die Seeleute sagen. Schmidt gab seinem Leben eine Richtung.<\/p><p>\u00a0<\/p><p>05:20 Kommentar<\/p><p>Hier kommt er. Der Mann, der die Richtung weist. Otto Juljewitsch Schmidt &#8211; sowjetischer Gelehrter, Mathematiker von Haus aus, ein Bolschewik der ersten Stunde, Mitstreiter Lenins. Seit einigen Jahren ist er Leiter der Hauptverwaltung N\u00f6rdlicher Seeweg. Deutscher Herkunft wie Krenkel.<\/p><p>\u00a0<\/p><p>05:44 O-Ton Wladimir Schmidt<\/p><p>Otto Juljewitsch war ein zutiefst \u00fcberzeugter Internationalist. Er legte keinen besonderen Wert auf seine deutsche Abstammung. Er sprach Deutsch, hatte viele Bekannte in Deutschland wie auch in anderen L\u00e4ndern.<\/p><p>06:03<\/p><p>Aber es hatte f\u00fcr ihn nicht viel zu bedeuten.<\/p><p>06:07<\/p><p>Mein Vater ist zur H\u00e4lfte Deutscher, zur H\u00e4lfte Lette, meine Mutter zur H\u00e4lfte Ukrainerin, zur H\u00e4lfte J\u00fcdin. Ich dagegen bin Russe. Offiziell registriert: Russe. Russisch ist meine Muttersprache. Ich wurde in Moskau geboren. Nicht einfach nur in Moskau. Ich wurde im Kreml geboren.<\/p><p>06:38 Kommentar<\/p><p>Der Name Otto Juljewitsch Schmidt ist in Ru\u00dfland untrennbar verbunden mit der Eroberung der Arktis.<\/p><p>06:42<\/p><p>Ru\u00dfland und das gefrorene Meer, das Meer, das man nicht befahren kann: Das ist eine alte, von Liebe und Hass, von Siegen und Niederlagen gepr\u00e4gte Geschichte. Einmal w\u00e4re Otto Schmidt mit einem von Eis leckgeschlagenen Dampfer beinahe untergegangen. Gerettet wurde er von Flugzeugen. Jetzt, 1937, probiert er etwas Neues: nicht mit Schiffen, mit Flugzeugen soll es in den Norden gehen.<\/p><p>07:24<\/p><p>Josef Stalin, der \u201eallweise F\u00fchrer\u201c des Landes, der mit der einen Hand straft und mit der anderen belohnt. Vermutlich brauchte Schmidt nicht lang, um ihn f\u00fcr diese Polarexpedition zu begeistern. Alles sprach daf\u00fcr:<\/p><p>Es waren wichtige Forschungsergebnisse zu erwarten. Ferner w\u00fcrde eine Funkstation am Pol der Sicherheit geplanter Langstreckenfl\u00fcge dienen, welche sowjetische Flugzeuge \u00fcber den Nordpol in die USA bringen sollten. Das war ein Gedanke, der Stalin seit langem faszinierte: Die Welt w\u00fcrde sehen, was aus dem r\u00fcckst\u00e4ndigen Ru\u00dfland innerhalb weniger Jahre geworden war. Eine moderne Macht, die nach den Sternen griff. \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0<\/p><p>\u00a0<\/p><p>08:09<\/p><p>Und dann \u2013 der Enthusiasmus. Enthusiasmus war die Hauptdroge der Stalin-\u00c4ra. Enthusiasmus hielt das Land zusammen, w\u00e4hrend die Vernichtungswellen um sich griffen. Er wurde ben\u00f6tigt, um Fabriken, Kan\u00e4le und Bahnlinien zu bauen. Er erstickte jeden Widerspruch im Keim. Diese Sache bot viel von dem Stoff. Man darf daher vermuten, da\u00df es Stalins Idee war, der Mission zum Nordpol einen Kameramann mitzugeben und zwei f\u00fchrende Journalisten der Prawda und der Iswestija. \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0<\/p><p>\u00a0<\/p><p>08:51 Zitat<\/p><p>22. M\u00e4rz 1937. Moskau. Chodynka. Zentralflughafen. Ich komme um Viertel nach f\u00fcnf an. Alles leer. Ich laufe herum, friere.\u00a0<\/p><p>\u00a0<\/p><p>09:07 Kommentar<\/p><p>Einer der beiden mitreisenden Korrespondenten ist Lazar Brontman von der Prawda.<\/p><p>09:14<\/p><p>Er ist einer der bekanntesten sowjetischen Journalisten.<\/p><p>\u00a0<\/p><p>09:23 O-Ton Rostislaw Brontman<\/p><p>Mein ganzes bewu\u00dftes Leben lang sah ich, da\u00df Vater jeden Tag, wenn er von der Arbeit kam, sich zuallererst hinsetzte und sein Tagebuch f\u00fchrte. Wenn Sie sich die Tageb\u00fccher ansehen, dann sehen Sie Aufzeichnungen f\u00fcr jeden Tag, geschrieben an eben jenem Tag.<\/p><p>09:43 Zitat<\/p><p>Um sechs kommen die ersten, kurz danach Schmidt. Schlie\u00dflich, um elf der Startbefehl.<\/p><p>\u00a0<\/p><p>09:50 Kommentar<\/p><p>Vier gro\u00dfe, umgebaute Bomber und ein kleineres Aufkl\u00e4rungsflugzeug stehen auf dem Flugfeld. Die Piloten kennt Brontman seit langem. Mit Chefpilot Michail Wodopjanow verbindet ihn eine enge Freundschaft.<br \/>Letzte Aufnahmen vor dem Start. Die vier \u00dcberwinterer im Gruppenbild: Krenkel, Fedorow, Schirschow, Papanin. \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0<\/p><p>10:22<\/p><p>Insgesamt sind 43 Mann in den Maschinen, dazu 40 Tonnen Ausr\u00fcstung.<\/p><p>10:32<\/p><p>Lasar Brontman:<\/p><p>\u00a0<\/p><p>10:35 Zitat<\/p><p>Die \u00fcberladenen Flugzeuge rollen wie Schiffe auf schwerer See. Es ist unbehaglich, auf die Fl\u00fcgelspitzen hinauszusehen, sie flattern ununterbrochen. Auch einigen erprobten Fliegern wird schlecht&#8230;<\/p><p>10:54 Kommentar<\/p><p>Er fotografiert die Mannschaft an Bord seiner Maschine \u2013 eine Schar gutgelaunter M\u00e4nner auf dem Weg ins Abenteuer.<\/p><p>\u00a0<\/p><p>11:06 Zitat<\/p><p>Wir haben uns Watte in die Ohren gestopft. Gegen die \u201eSeekrankheit\u201c Otto Juljewitsch ist nach vorn gegangen zum Navigator.<\/p><p>\u00a0<\/p><p>11:16 Kommentar<\/p><p>Der Flug wird von Moskau nordw\u00e4rts f\u00fchren, mit Zwischenlandungen in dem Nest Cholmogory bei Archangelsk,<\/p><p>in Narjan Mar, der Hauptstadt des Nenzen-Gebiets, jenseits des Polarkreises,<\/p><p>auf Nowaja Zemlja, wo eine Polarstation bei der Meerenge von Matotschkin Treibstoff bereith\u00e4lt<\/p><p>und auf den Inseln von Franz-Josef-Land am Rand des Arktischen Ozeans. Dort wird die Basisstation sein, von dort startet der Polflug, die Reise ins Unbekannte.<\/p><p>\u00a0<\/p><p>11:56 O-Ton Wladimir Schmidt<\/p><p>Wie kommt man denn an den Nordpol? Das war damals technisch nicht so einfach.<br \/>Michail Wodopjanow wurde beauftragt, dar\u00fcber nachzudenken. Er war ein Arktisflieger, war viel im Norden unterwegs gewesen. Wie sollte man die Sache angehen?<br \/>Und er begriff, da\u00df ihm kein Konzeptpapier gelingen w\u00fcrde. Ihm gelang &#8211; ein Buch. Und dieses Buch mit dem Titel &#8222;Traum des Piloten&#8220; wurde gedruckt.\u00a0<\/p><p>\u00a0<\/p><p>12:32 Kommentar<\/p><p>Michail Wodopjanows Buch \u201eDer Traum des Piloten\u201c &#8211; die Phantasie eines Polarflugs in Romanform. Bereits 1938, als diese deutsche Ausgabe erschien, in einem Exilverlag, hatte sich Wodopjanows Traum erf\u00fcllt. Der Traum vom Fliegen &#8211; er ist vielleicht nie leidenschaftlicher getr\u00e4umt worden als in der Sowjetunion in jenen Jahren. Fliegen war das H\u00f6chste, was ein Sowjetmensch erreichen konnte.<\/p><p>13:19<\/p><p>Die Reise in den Norden dauert mehrere Wochen.<\/p><p>13.29<\/p><p>Ein Schneesturm auf Nowaja Semlja zerst\u00f6rt die Flugzeuge beinah am Boden.<\/p><p>\u00a0<\/p><p>14:08<\/p><p>Die Rudolf-Insel ist die n\u00f6rdlichste Insel des Franz-Josef-Landes. Hier gibt es einen Landeplatz auf einer Anh\u00f6he, feste H\u00e4user und Kettenfahrzeuge. Vor allem aber ein Funkfeuer, das Schiffen und auch Flugzeugen die Richtung weisen kann.\u00a0<\/p><p>14:40<\/p><p>Iwan Papanin f\u00fchlt sich hier \u201eauf Rudolf\u201c als Hausherr, denn unter seiner Leitung war die Station im Jahr zuvor aufgebaut worden. Der Spa\u00dfmacher hatte hier bereits einmal F\u00fchrungsqualit\u00e4ten gezeigt.<\/p><p>\u00a0<\/p><p>14:56 O-Ton Valentina Romanenko<\/p><p>Er war gro\u00dfz\u00fcgig und feinf\u00fchlig, solange alles klappte. Aber auch streng und schroff gegen Leute, die sich nachl\u00e4ssig in ihrer Arbeit zeigten, die tranken, obwohl der Ausgang einer Sache von ihnen abhing. Da war er sehr streng und unerbittlich.<br \/>Alle seine Leute hatte er genau \u00fcberpr\u00fcft. Ich habe sie durchs Einkaufsnetz gesiebt, sagte er.<br \/>15:27<\/p><p>Er war ein guter Psychologe. Die Arbeit in zahlreichen Kollektiven hatte ihn zum Psychologen gemacht. Er durchschaute den Menschen bis auf den Grund.<\/p><p>\u00a0<\/p><p>15:42 Kommentar<\/p><p>1.Mai 1937.\u00a0<\/p><p>15:57<\/p><p>Auf der Rudolf-Insel marschieren die Helden, auf dem Roten Platz in Moskau das Volk. Alle vereint und gemeinsam f\u00fcr einen, f\u00fcr Stalin.<\/p><p>16:09<\/p><p>Ein Mensch wird Gott.<\/p><p>\u00a0<\/p><p>16:14 O-Ton Sigurd Schmidt<\/p><p>Ohne Stalin h\u00e4tte es die ganze Polarforschung nicht gegeben. Eine, ich w\u00fcrde sagen, Anbetung Stalins als administrative Macht war bei meinem Vater zweifellos vorhanden. Aber einen warmherzigen Ton gegen\u00fcber Stalin habe ich nie von ihm geh\u00f6rt. \u00dcber das legend\u00e4re Jahr 37 \u00e4u\u00dferte er sich eher dahin, da\u00df es das Jahr des Gro\u00dfen Terrors war.<\/p><p>16:43<\/p><p>Jedoch: Als Stalin 1953 starb, Otto Juljewitsch war bereits schwer krank. Dennoch lie\u00df er es sich nicht nehmen, in den Kolonnensaal zu gehen, um Abschied zu nehmen.<\/p><p>\u00a0<\/p><p>16:58 Kommentar<\/p><p>Von der Rudolf-Insel sind es noch 900 km bis zum Nordpol. Doch das schlechte Wetter hat bisher jeden Start verhindert. Die Expedition sitzt fest. Am 4. Mai jedoch schreibt Lazar Brontmann in sein Tagebuch: \u00a0<\/p><p>\u00a0<\/p><p>17:12 Zitat<\/p><p>Sp\u00e4t am Abend vertrieb ein starker Wind alle Wolken. Wir hatten eine herrliche sonnige Nacht. Es war Mitternacht, aber niemand ging schlafen. Da entschied Schmidt, Golowin zur Aufkl\u00e4rung vorauszuschicken.\u00a0<\/p><p>17:28 O-Ton Sigurd Schmidt\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0<\/p><p>Er mochte den Piloten Golowin sehr und w\u00fcnschte sich, da\u00df Golowin als Erster \u00fcber den Pol fl\u00f6ge. Und daf\u00fcr mit dem Heldenorden ausgezeichnet w\u00fcrde.<br \/>Golowin kam sp\u00e4ter ums Leben.<\/p><p>\u00a0<\/p><p>17:44 Kommentar<\/p><p>Pawel Golowin.<\/p><p>Golowin ist bisher immer vorausgeflogen. In seiner offenen, zweimotorigen Maschine. Wenn das Wetter gut war, gab er den Start frei f\u00fcr die anderen, wenn nicht, sah er zu, da\u00df er heil wieder herunterkam. Jetzt soll er das Wetter am Nordpol erkunden. Und einen Blick auf das Eis werfen, nach einem Landeplatz suchen.\u00a0<\/p><p>18:10 Kommentar<\/p><p>Was aber ist der Nordpol? Im Gegensatz zur Antarktis gibt es hier unterm Eis kein Land &#8211; eine gro\u00dfe, treibende Eisfl\u00e4che. Otto Schmidt ist der Ansicht, da\u00df sich dort weniger Packeis auft\u00fcrmt als in Landn\u00e4he, da\u00df man ebene\u00a0Fl\u00e4chen finden wird, auf denen man landen kann. Um 16 Uhr 32 empf\u00e4ngt die Fundkstation auf der Rudolf-Insel folgende Meldung: &#8222;90 Grad Breite, Pol unter uns, Wolken behindern Sicht. Golowin&#8220;. Golowin ist \u00fcber dem Pol, kann aber nicht landen.\u00a0<\/p><p>\u00a0<\/p><p>18:43 O-Ton Krenkel<\/p><p>Golowins Bordmechaniker hie\u00df Kekuschew. Er warf \u00fcber dem Pol eine \u00d6lkanne ab. Golowin fragt: was soll das denn? Kekuschew: Damit die Erdachse nicht quietscht.<\/p><p>\u00a0<\/p><p>18:57 Kommentar<\/p><p>Besorgtes Warten auf der Rudolf-Insel. Die M\u00e4nner haben Signalfeuer entz\u00fcndet. Golowin scheint die Peilung verloren und sich verflogen zu haben. Es ist nicht leicht, sich vom Pol aus zu orientieren. \u00dcberall ist S\u00fcden. Endlich, nach zw\u00f6lf Stunden, Motorenger\u00e4usch.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0<\/p><p>19:27 Zitat<\/p><p>Golowin kletterte von seinem Flugzeug herab. H\u00f6lzern erwiderte er den Gru\u00df der Herbeigeeilten, wandte sich sofort ab, kroch unter den Rumpf seiner Maschine.<\/p><p>19:41<\/p><p>Dort \u00f6ffnete er den kleinen Treibstoffabla\u00df und sah lange zu, wie ein d\u00fcnnes F\u00e4dchen Benzin herausflo\u00df. Das war knapp, sagte er leise.<\/p><p>\u00a0<\/p><p>19:54 Kommentar<\/p><p>Pawel Golowin, Held der Sowjetunion, wird zwei Jahre sp\u00e4ter bei einem Testflug t\u00f6dlich verungl\u00fccken.<\/p><p>19:58 Kommentar\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0<\/p><p>Es dauert weitere 14 Tage, bis das Wetter wieder einen Start zul\u00e4\u00dft. Jetzt fliegt der Chefpilot selbst, der Flagman, wie es auf Russisch hei\u00dft, Michail Wodopjanow. Dieser Polflug unterscheidet sich in mancher Hinsicht von fr\u00fcheren Entdeckungsreisen. Er hatte etwas von einer milit\u00e4rischen Operation und wurde auch so beschrieben: Eroberung des Nordpols.<\/p><p>\u00a0<\/p><p>20:24 Zitat Film<\/p><p>Das Funkfeuer gibt die exakte Richtung nach Norden an.<\/p><p>20:32 Zitat Film<\/p><p>Das Flugzeug schickt seinen ersten Funkspruch nach Moskau: 4 Uhr 52. der Flagman ist in der Luft. An Bord sind neben\u00a0 der Besatzung die Papanin-Gruppe, der Kameramann und der Expeditionsleiter. Die \u00fcbrigen Maschinen werden starten, wenn wir am Pol gelandet sind. Unterschrift: Schmidt. Chefnavigator Genosse Spirin betsimmt die Position des Flugzeuges: 7 Uhr 4. Die Maschine fliegt \u00fcber den Wolken. Die Breite 84\u00b028&#8242;.\u00a0<\/p><p>21:17 Zitat Film<\/p><p>Beide Piloten befinden sich ununterbrochen an den Steuerkn\u00fcppeln, Genosse Wodopjanow und Genosse Babuschkin.<\/p><p>21:32<\/p><p>Breite: 86\u00ba 48\u2019 .<\/p><p>21:37<\/p><p>Die Maschine fliegt \u00fcber dichter Wolkendecke in einer H\u00f6he von 2000 m.<\/p><p>\u00a0<\/p><p>21:46 Kommentar<\/p><p>Bereitwillig lassen die M\u00e4nner den Kameramann gew\u00e4hren. Er st\u00f6rt sie nicht. Er geh\u00f6rt dazu. Die Heldentat und ihre Dokumentation sind eins. Alle sollen sehen. Alle sollen dabei sein d\u00fcrfen.<\/p><p>\u00a0<\/p><p>22:04 Zitat Film und \u00dcbersetzung Schrifttitel\u00a0<\/p><p>Elf Uhr zwei. Das Flugzeug erreicht den Pol.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0<\/p><p>Der Nordpol ist unser.<\/p><p>\u00a0<\/p><p>22:19 Kommentar<\/p><p>Moskau am selben Tag, 22.Mai 1937. \u201eDas Leben ist sch\u00f6ner, das Leben ist lustiger geworden\u201c, hat Stalin k\u00fcrzlich verk\u00fcndet. Die Lubjanka, das Hauptquartier des Geheimdienstes NKWD. Die Schergen haben aus einem verhafteten Armeekommandeur eine belastende Aussage gegen den Stellvertretenden Volkskommissar f\u00fcr Verteidigung, Marschall Tuchatschewski herausgequ\u00e4lt. Am Nachmittag befiehlt Stalin die Verhaftung Tuchatschewskis und sechs weiterer Kommandeure. Damit beginnt die &#8222;gro\u00dfe S\u00e4uberung&#8220; in der Roten Armee. Der gr\u00f6\u00dfte Teil der milit\u00e4rischen F\u00fchrung und Tausende von Offizieren werden ihr zum Opfer fallen. Meist bleiben auch ihre Familien nicht verschont.\u00a0<\/p><p>23:19 Kommentar<\/p><p>Unterdessen auf dem Eis.<\/p><p>\u00a023:29 O-Ton Wladimir Schmidt<\/p><p>Wer trat zuerst aufs Eis? Am Pol? Die einen sagen: Schmidt. Die anderen: Papanin.<br \/>Wieder andere sagen: Trojanowski. Der Kameramann.<\/p><p>23:41 Kommentar<\/p><p>&#8222;Ich z\u00e4hle nicht mit!&#8220; hat Trojanowski noch schnell gerufen, als er sich mit seinem Stativ vordr\u00e4ngte.\u00a0<\/p><p>23:50<\/p><p>Wodopjanow hat sein Flugzeug ein wenig jenseits des Pols sicher gelandet. Hier zeigt er Otto Schmidt die Landebahn. Er hat dabei, vermutlich erstmals in der Geschichte der Luftfahrt, einen Bremsfallschirm eingesetzt.\u00a0<\/p><p>24:12 Kommentar<\/p><p>Sowjetische Flieger am Nordpol.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0<\/p><p>Die ersten Filmaufnahmen vom Pol, erstmals Wissenschaftler am Nordpol.<\/p><p>Wahrscheinlich waren sie \u00fcberhaupt die ersten Menschen am Pol, nicht Robert Peary und seine Expedition 1909.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0<\/p><p>24:34 Kommentar<\/p><p>Der Sendemast wird aufgebaut, doch Krenkel bekommt keinen Funkkontakt.<\/p><p>24:46<\/p><p>Otto Schmidt wartet nerv\u00f6s. Die M\u00e4nner auf der Rudolf-Insel, Moskau, Stalin m\u00fcssen doch denken das Unternehmen, sein Unternehmen, habe in einer Katastrophe geendet.\u00a0<\/p><p>\u00a0<\/p><p>25:05 O-Ton Krenkel<\/p><p>Im Filmmaterial sieht man, wie Otto Juljewitsch unruhig am Pol hin und her l\u00e4uft. Und ebenso ging Stalin im Moskauer Radiob\u00fcro auf und ab. Dann waren die Akkus aufgeladen, Vater rief Schmidt und, auch das sieht man im Film, Schmidt schreibt auf den Knien die erste Funkmeldung. Die wurde \u00fcber die Rudolf-Insel weitergeleitet, und alle atmeten erleichtert auf.\u00a0\u00a0<\/p><p>\u00a0<\/p><p>25:44 Kommentar<\/p><p>Die Piloten legen eine Landebahn f\u00fcr die anderen Maschinen an. Nur eine von ihnen findet das Lager direkt. Die anderen beiden landen zun\u00e4chst irgendwo in der Eisw\u00fcste. Es dauert fast vierzehn Tage, bis auch das letzte der vier Flugzeuge das Lager am Pol erreicht.\u00a0<\/p><p>26:16 Kommentar<\/p><p>Hier ist Lazar Brontman, der Prawda-Journalist, mit seiner Leica:<\/p><p>26:20 Zitat<\/p><p>Kann man den Nordpol als die Grenze unserer sowjetischen Besitzt\u00fcmer ansehen? Wie sich zeigt, nicht! Otto Juljewitsch erkl\u00e4rt: Sowjetisch ist nur die Erde, das Wasser ist international. Und wenn sich auf Papanins Scholle irgendein ausl\u00e4ndisches Flugzeug gesellt und Papanin f\u00e4ngt eine Schl\u00e4gerei an, dann wird man ihn nach internationalem Seerecht verurteilen.<\/p><p>\u00a0<\/p><p>26:45 Kommentar<\/p><p>Hie\u00dfen nicht alle Losungen gerade noch: \u201eder Pol \u2013 erobert, der Pol ist unser\u201c? Und nun solch eine Bemerkung? Kein sowjetischer Anspruch? Otto Schmidt mochte Recht haben, seine \u00c4u\u00dferung war dennoch f\u00fcr die Zeit irritierend. Er war ein Vertreter der russischen Intelligenz. Seine Bildung hatte vorrevolution\u00e4re Wurzeln. Eigentlich gab es f\u00fcr so einen in Stalins Universum keinen Platz.\u00a0\u00a0<\/p><p>\u00a0<\/p><p>27:12 O-Ton Sigurd Schmidt<\/p><p>Er war einer der wenigen Intellektuellen, die sich der Revolution angeschlossen hatten und die an sie glaubten. Er wollte aktiv an ihr teilhaben und freute sich dar\u00fcber. Erzogen worden aber war er in der Tradition der Intelligenzija.<\/p><p>27:32 O-Ton Wladimir Schmidt<\/p><p>Otto Juljewitsch war ein Mann der Pflicht. \u201eEs mu\u00df sein\u201c, das verstand er. Er gehorchte nicht einfach, er verstand es.<\/p><p>\u00a0<\/p><p>27:43 Kommentar<\/p><p>6.Juni. Das Lager ist vollst\u00e4ndig eingerichtet. Alle bis auf die vier, die auf dem Eis bleiben werden, die hier \u00fcberwintern sollen, haben ihre Mission erf\u00fcllt und freuen sich auf die Heimreise. Papanin kocht.\u00a0<\/p><p>\u00a0<\/p><p>27:59<\/p><p>Kameramann Mark Trojanowski. Er dreht Abschiedsbilder.<\/p><p>Und erkl\u00e4rt den Papanin-Leuten die kleine Federkamera, die auf dem Eis bleiben soll.<\/p><p>Aus Brontmans Tagebuch:<\/p><p>\u00a0<\/p><p>28:17 Zitat<\/p><p>\u201aGenosse Trojanowski&#8216;, fragte Schmidt, &#8218;wo sollen wir uns hinstellen, wie wird&#8217;s am besten aussehen f\u00fcr die Kamera?&#8216; Hier und da wurden bereits die Motoren angelassen. Schirschow lud die Gewehre, Papanin lief mit einer Parabellum herbei, Krenkel mit einem Revolver. Das Meeting fand um zwei Uhr morgens statt, bei laufenden Motoren und Sonnenschein.\u00a0\u00a0<\/p><p>28:44<\/p><p>Dann nahmen wir die M\u00fctzen ab und sangen alle gemeinsam die Internationale.<\/p><p>Abflug, kommandierte Schmidt. Alle begaben sich zu den Maschinen.<\/p><p>29:18 Kommentar<\/p><p>Vielleicht lauschten die vier M\u00e4nner den Motoren nach. Dann wurde es still auf dem Eis.<\/p><p>29:32<\/p><p>Auf ihrem R\u00fcckweg machen die Flieger wieder Station auf der Rudolf-Insel. Dort erwarten sie Neuigkeiten aus Moskau. Brontman:<\/p><p>\u00a0<\/p><p>29:40 Zitat<\/p><p>11. Juni. Sofort zu den Kopfh\u00f6rern! Wir h\u00f6ren die schreckliche Nachricht vom Verrat Tuchatschewskis und anderer. Wir sa\u00dfen wie bet\u00e4ubt, dann gingen wir auseinander. Der Proze\u00df ist heute. Das Urteil steht fest. Es wird acht Feinde weniger geben.<\/p><p>\u00a0<\/p><p>30:06 Kommentar<\/p><p>12. Juni. Moskau, die Nachricht des Tages \u2013 Tuchatschewski und sieben weitere Verschw\u00f6rer erschossen.<\/p><p>30:27<\/p><p>25.Juni. Ruhm den Stalin-Falken! Die Polflieger kehren nach Moskau zur\u00fcck.<\/p><p>\u00a0<\/p><p>30:39 O-Ton Sigurd Schmidt<\/p><p>Es war die erste Expedition, die von Stalin pers\u00f6nlich und dem gesamten Politb\u00fcro empfangen wurde. Sie waren alle zum Flughafen gekommen. Es war ein sch\u00f6ner Tag, und da habe ich Stalin gesehen. N\u00e4her, als ich Sie jetzt vor mir sehe.<\/p><p>\u00a0<\/p><p>30:56 Kommentar<\/p><p>Erst die Hinrichtung der Verr\u00e4ter, dann der Empfang der Helden. Terminplanung ist keine Zufallssache.\u00a0<\/p><p>31:10<\/p><p>Michail Wodopjanow, Flieger, Schriftsteller, Enthusiast:<\/p><p>\u00a0<\/p><p>31: 20 O-Ton Wodopjanow-Rede im Film<\/p><p>Man hat mich gefragt, wie fliegst du denn dahin? Wie willst Du am Pol landen? Was ist, wenn die Maschine zu Bruch geht? Zu Fu\u00df kommst du nicht so einfach zur\u00fcck. Ich antwortete: zu Fu\u00df geh ich bestimmt nicht, und wenn die Maschine Bruch macht, dann steht hinter mir und der Expedition eine Kraft: Genosse Stalin l\u00e4\u00dft nicht zu, da\u00df ein Mensch zu Tode kommt.<\/p><p>31:50 O-Ton-Rede Schmidt im Film<\/p><p>Der Befehl Stalins, die Unterst\u00fctzung Stalins und die Arbeitsweise Stalins, die wir uns bem\u00fchten, nachzuahmen \u2013 das waren die drei treibenden Kr\u00e4fte auf unserem Weg. Kein Tag verging, ohne da\u00df wir seiner gedachten. Als aber das Radio uns die Nachricht von den Verbrechen brachte, von den Untaten, die einzelne Personen hier zu tun beabsichtigten und teilweise bereits taten, gegen unser Land, gegen unsere Partei, gegen unseren F\u00fchrer, da f\u00fcllten sich unsere Herzen mit Zorn, und wir, der kleine Trupp am Nordpol, wir h\u00e4tten ebenso wie das ganze riesige Land nicht gez\u00f6gert, unser Blut, unser Leben zu geben, um unsere F\u00fchrer, um den Genossen Stalin zu verteidigen.<\/p><p>32:50 O-Ton Sigurd Schmidt<\/p><p>Das machte einen niederschmetternden Eindruck auf mich. Die Papanins waren noch am Pol, da kam Papa nach Hause und Mama sagte: Was ist mit dir, du siehst ja nicht mehr aus wie du selbst. Dieses einzige Mal sagte er etwas: Man hat mich heute angerufen: ich solle mich nicht wundern, wenn morgen sehr viele meiner Mitarbeiter nicht mehr zur Arbeit kommen.<\/p><p>33:29 O-Ton Wladimir Schmidt<\/p><p>Nachdem Vater von der Expedition zur\u00fcckgekehrt war, sa\u00dfen wir eines Tages zu Hause, mit der ganzen Familie, am Tisch, und da klingelte das Telefon. Otto Juljewitsch ging zum Telefon, nach einer Weile kehrte er zur\u00fcck und sagte: \u201eDer Herr ruft.\u201c Also Stalin.<\/p><p>\u00a0<\/p><p>33: 54<\/p><p>&#8222;Reichen Sie uns Vorschl\u00e4ge zur Ordensverleihung ein! Was Sie selbst angeht, ist die Sache bereits entschieden. Sie werden Held der Sowjetunion.&#8220;<\/p><p>34:19 O-Ton Wladimir Schmidt<\/p><p>Von den Balkonen und D\u00e4chern flogen Papierchen herab. Von diesem Format etwa. Zettelchen mit Gl\u00fcckw\u00fcnschen darauf. Bunte Zettelchen. Es war ungew\u00f6hnlich sch\u00f6n. Der innere Jubel &#8211; man kann ihn ja\u00a0mit Worten nicht beschreiben &#8211;\u00a0 aber glauben Sie mir, er war sehr gro\u00df. \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0<\/p><p>35:02 Kommentar<\/p><p>Am Nordpol.. Aufnahmen, die Papanin und seine Gef\u00e4hrten von sich selbst gemacht haben &#8211; mit der zur\u00fcckgelassenen kleinen Kamera.<\/p><p>35:22<\/p><p>Sie wurden 1938 ver\u00f6ffentlicht \u2013 unterlegt mit Musik von Beethoven. Dritte Symphonie nat\u00fcrlich, die Heroische. \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0<\/p><p>35:52<\/p><p>In Moskau greifen Misstrauen und Angst um sich, hier aber, auf dem Eis, scheint es, herrschen Zuversicht und Freundschaft. Die Scholle treibt s\u00fcdw\u00e4rts, noch sieht es so aus, als sei sie endlos gro\u00df. Die Sonne steht niedrig, die Polarnacht ist nicht mehr fern.<\/p><p>\u00a0<\/p><p>36:18 O-Ton Theodor Krenkel<\/p><p>Iwan Dimitrijewitsch Papanin sorgte sich um die Gesundheit meines Vaters, Theodoritcsh, wie er ihn nannte. Denn der Funk wurde jeden Tag gebraucht, um jeden Preis. Jewgeni Fjodorow machte meteorologische Beobachtungen und magnetische Messungen. Also wissenschaftliche Arbeit, wie auch Pjotr Schirschow. Fjodorow war zust\u00e4ndig f\u00fcr alles \u00fcber dme Eis und Schirschow f\u00fcr alles, was darunter war.\u00a0<\/p><p>\u00a0<\/p><p>36:49 Kommentar<\/p><p>Bilder aus einem anderen Film, der 1940 entstand. Ein liebevoll gemachtes Lehrst\u00fcck f\u00fcr die nachwachsende Generation, f\u00fcr die jungen Forscher und Wissenschaftler in einer kommunistischen Zukunft.\u00a0<\/p><p>37:08 Kommentar<\/p><p>Hier wird das Leben auf der Scholle nachgestellt, auf der Station Nordpol, wie sie jetzt offiziell hei\u00dft. Dabei spielen die vier \u00dcberwinterer sich selbst und zeigen, worin ihre t\u00e4gliche Arbeit bestand:<\/p><p>Nordpol 1 &#8211; die erste russische Driftstation &#8211; bringt eine gro\u00dfe Menge von Erkenntnissen. So f\u00fchrt der Biologe Pjotr Schirschow &#8211; &#8222;zust\u00e4ndig f\u00fcr alles unter dem Eis&#8220; &#8211; Tiefenmessungen durch, die es erlauben, f\u00fcr den Verluaf der Drift ein Relief des Meeresbodens zu erstellen. Seine Wasserproben widerlegen Fridtjof Nansens Annahme, unter dem Eis des Pols gebe es kein Leben. Im Gegenteil: der gro\u00dfe reichtum an Plankton, der Grundlage der ozeanischen Nahrungskette, l\u00e4\u00dft auf h\u00f6her entwickeltes Leben schlie\u00dfen.\u00a0\u00a0<\/p><p>Der Meteorologe Jewgeni Fjodorow \u2013 \u201ezust\u00e4ndig f\u00fcr alles \u00fcber dem Eis\u201c &#8211; bestimmt die Position der Scholle, untersucht die magnetischen Abweichungen und macht Wind und Wetterbeobachtungen.<\/p><p>38:14<\/p><p>Ernst Krenkel, der hier gerade das Fr\u00fchst\u00fcck macht, gibt die Position der treibenden Scholle t\u00e4glich an die Rudolf-Insel weiter. Sein Funksignal ist der Seidenfaden, der die vier mit der Welt verbindet. Wenn er rei\u00dft, dann kann man sie niemals wiederfinden, dann sind sie verloren.<\/p><p>\u00a0<\/p><p>38:37 O-Ton Valentina Romanenko<\/p><p>Es war damals sehr schwer, auf so einem Fleckchen, in einem engen Zelt miteinander auszukommen. Bei unterschiedlichen Charakteren, unterschiedlichem Alter. Papanins Scherze, sein Humor, sein Optimismus halfen allen dar\u00fcber hinweg. Wenn eine Spannung zwischen ihnen aufkam. Auch Krenkel war ein scharfsinniger Mensch. Und das half ihnen, unter den schweren Bedingungen der Polarnacht zu \u00fcberleben.<\/p><p>\u00a0<\/p><p>39:10 Kommentar<\/p><p>Stalin hatte einen Traum. Er tr\u00e4umte vom Fliegen. Nicht, dass er\u00a0 selber fliegen wollte \u2013 er litt unter Flugangst &#8211;\u00a0 wohl aber, dass eine sowjetische Luftarmada jeden Punkt der Erde jederzeit erreichen k\u00f6nne. Nordpol 1 spielte dabei eine Rolle.<\/p><p>39:25<\/p><p>Dies ist eine ANT 25, ein einmotoriges Flugzeug mit einer Riesen-Spannweite und drei Mann Besatzung.\u00a0<\/p><p>Und dies ist der Pilot Sigismund Lewanewski, f\u00fcr den Stalin eine besondere Sympathie empfindet, obwohl Lewanewski Pole ist und immer unsowjetisch elegant daherkommt. Bilder aus einer Wochenschau von 1935. Damals brachte Lewanewski Stalin auf die Idee mit den Transpolarfl\u00fcgen. Mit einer ANT 25 wollte er nonstop \u00fcber den Pol nach San Francisco fliegen.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0<\/p><p>40:02<\/p><p>Illustre G\u00e4ste beim Start im Morgengrauen: der Kriegsminister Woroschilow und der Botschafter der USA, Bullit. Auch Otto Schmidt ist gekommen. 6 Tonnen Treibstoff an Bord machen bereits den Start zu einem Wagnis.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0<\/p><p>40:24<\/p><p>&#8222;Gute Reise&#8220;, w\u00fcnscht die Wochenschau, aber die Reise verl\u00e4uft nicht sehr gut. \u00dcber dem Meer meint Lewanewski, einen \u00d6lverlust festzustellen, f\u00fcrchtet, da\u00df der Motor ausf\u00e4llt, und kehrt um. Damals gab es noch keine Station auf der Rudolf-Insel, deren Funkleitstrahl den sicheren Weg bis zum Pol gewiesen h\u00e4tte. Es gab auch keine Papanins, die \u00fcber das Wetter am Pol Auskunft h\u00e4tten geben k\u00f6nnen. Nun, im Sommer 37, gibt es das alles, aber Lewanewski z\u00f6gert. Den Flug mit einer einmotorigen Maschine will er nicht noch einmal wagen. Andere denken da anders. &#8222;Ein Motor bedeutet hundert Prozent Risiko,&#8220; sagt der Pilot Valeri Tschkalow, &#8222;vier Motoren vierhundert Prozent.&#8220; Am 18. Juni 1937 startet der Rivale in Moskau, fliegt auf dem Funkleitstrahl der Rudolf-Insel geradewegs zum Pol. Die Papanins halten vergeblich nach ihm Ausschau. Sie hoffen, er wird ihnen etwas abwerfen, Briefe von daheim. Aber sie sind schon zu weit abgetrieben, Tschkalow h\u00e4lt eisern Kurs udn landet nach 63 Stunden nahe Portland im US-Bundesstaat Oregon.<\/p><p>41:45 Kommentar<\/p><p>An Bord einer ANT 25. Was sp\u00e4ter die Raumfahrer, sind in dieser Zeit die Transpolarflieger. Diese Maschine steht unter dem Kommando von Michail Gromow, hier im Bild. Nur einen Monat nach Tschkalow startet er in Moskau und absolviert einen problemlosen Flug nach San Diego, Kalifornien. Noch ein St\u00fcckchen weiter. F\u00fcr Lewanewski wird jetzt die Zeit knapp. Er hat auf eine viermotorige Maschine gesetzt, von der es bislang nur einen Prototypen gab. Start am 12. August 1937. Die Rudolf-Insel hat noch vor dem Flug gewarnt. Aber Lewanewski kann oder will nicht mehr zur\u00fcck. Und au\u00dferdem meldet Nordpol 1, sein Freund Ernst Krenkel, gutes Flugwetter am Pol.<\/p><p>\u00a0<\/p><p>42:39 O-Ton Krenkel<\/p><p>Lewanewskis letzte Meldung, \u201ewir fliegen in dichten Wolken, ein Motor ist ausgefallen\u201c, das war alles, danach Schweigen.<\/p><p>Sie waren dicke Freunde. Tage- und n\u00e4chtelang sa\u00df Vater nach dem letzten Signal Lewanewskis am Funkger\u00e4t und h\u00f6rte den \u00c4ther ab. 3 oder 4 Tage ohne Pause, ich wei\u00df nicht, wie er das geschafft hat.<br \/>Es wurde lange nach ihm gesucht, aber wissen Sie, in der Arktis&#8230; ohne Funkverbindung&#8230; All die Ger\u00fcchte \u00fcber Motorenger\u00e4usche, Funkfetzen, die noch jemand geh\u00f6rt haben will, das ist alles sehr unwahrscheinlich. Wenn sie, selbst nach einer Bruchlandung, noch an ihr Funkger\u00e4t gekommen w\u00e4ren, h\u00e4tten sie Verbindung aufnehmen und gefunden werden k\u00f6nnen. So aber war die Chance, sie zu finden, gleich null.<\/p><p>\u00a0<\/p><p>43:37 Kommentar<\/p><p>Diese Fotos machte Lazar Brontman beim Start Lewanewskis. Es sind die letzten Fotos von Lewanewski und seiner Mannschaft. Die Stimmung war gedr\u00fcckt. Alle schienen zu sp\u00fcren, wie es ausgeht. Lewanewskis Maschine, so riesig sie war, wurde nie gefunden. Bis heute wei\u00df man nichts \u00fcber sein Ende.\u00a0\u00a0<\/p><p>Es war der sowjetischen Propaganda eigen, da\u00df sie Niederlagen und Verluste nicht dramatisierte. Sie verschwieg sie eher. Der sowjetische Mensch kennt keine Niederlage! Und so schwieg man fortan \u00fcber Lewanewski. Wie man ja auch \u00fcber Tausende anderer schwieg, die spurlos verschwanden. Das Leben ging weiter von Triumph zu Triumph.<\/p><p>\u00a0<\/p><p>44:50 Kommentar<\/p><p>Von den vier M\u00e4nnern auf Nordpol 1 hat einzig Papanin keine genau definierte Aufgabe.<\/p><p>Er ist der Chef.<\/p><p>Und der Koch.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0<\/p><p>45:05<\/p><p>Er ist humorvoll, f\u00fcrsorglich, und der Expeditionshund \u201eFr\u00f6hlich\u201c h\u00e4ngt an ihm. Der Lehrfilm l\u00e4\u00dft ihn wissenschaftliche Eintragungen machen. In ein Heft.<\/p><p>\u00a0<\/p><p>45:17 O-Ton Romanenko<\/p><p>Man mu\u00df nicht unbedingt Wissenschaftler sein. Doktoren, Professoren, die gibt\u00b4s zuhauf. Aber einen Papanin gibt es nur ein Mal, und er hat seinen Platz in der Geschichte der Entdeckungen f\u00fcr viele, viele Jahrhunderte.<\/p><p>\u00a0<\/p><p>45:33 Kommentar<\/p><p>Nach und nach tritt Papanin an die Stelle Schmidts als Inbegriff der sowjetischen Arktisforschung. Alles was er ist, verdankt er Stalin. Papanin ist vielleicht der neue sowjetische Mensch.<\/p><p>45:47 Zitat<\/p><p>Ich kann kaum glauben, da\u00df ich &#8211; ein ehemaliger Matrose der Zarenflotte, ein einfacher Schlosser &#8211; nun in den Obersten Sowjet gew\u00e4hlt werden soll. Die Stalinsche Verfassung macht mich zum Staatsmann.<\/p><p>\u00a0<\/p><p>46:07 Kommentar<\/p><p>12. Dezember 1937, Wahl zum Obersten Sowjet der UdSSR. Die Vier im Eismeer werden, obwohl abwesend, Volksdeputierte. Stalin hat nicht viele Reden gehalten. er sprach auch nicht gut. Wenn er aber auftrat, wie hier im Bolschoj-Theater, hing das Land an seinen Lippen: Wird er \u00fcber die Helden reden? \u00dcber die gro\u00dfen Erfolge?\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0<\/p><p>46:39 O-Ton Rede Stalin<\/p><p>Es gibt Menschen, von denen man nicht sagen kann, wer sie sind. Ob sie gut oder schlecht, ob sie tapfer oder feige sind. Ob sie bis zum letzten f\u00fcr das Volk, oder ob sie Feinde des Volkes sind. Es gibt sie auch bei uns, unter den Bolschewiki. Ihr wi\u00dft selbst, Genossen: Keine Familie ohne Mi\u00dfgeburt.<\/p><p>\u00a0<\/p><p>47:18 Kommentar<\/p><p>Nur ein paar Worte in einer eiskalten Zeit &#8211; und Millionen verschwinden im Gulag.<\/p><p>47:29<\/p><p>Nordpol 1 treibt jetzt durch die Polarnacht. Im Februar 1938, nach 9 Monaten und \u00fcber 2000 km Drift, befindet sich die Scholle bereits vor der K\u00fcste Gr\u00f6nlands. Viel schneller als Otto Schmidt vorhergesehen hat, ist sie nach S\u00fcden getrieben und zerbricht ihren Bewohnern f\u00f6rmlich unter den F\u00fc\u00dfen.<\/p><p>Die Geschichte ihrer Rettung ist ein eigenes Abenteuer.<\/p><p>\u00a0<\/p><p>48:00 O-Ton Wladimir Schmidt<\/p><p>Die Teilnehmer der Papanin-Expedition kehrten in sehr angespanntem Zustand heim. Die Eisscholle taute ja. Der Eisbrecher Jermak war nicht einsatzbereit. Zu fr\u00fch hatte die Scholle begonnen zu tauen.\u00a0\u00a0<\/p><p>\u00a0<\/p><p>48:17 Kommentar<\/p><p>Die Jermak war das stolzeste, modernste Schiff der Arktisflotte. In diesem besonders harten Winter 37\/38, als fast die gesamte Eismeerflotte einfror, hatte sie durch \u00dcberlastung Schaden genommen. Sie wurde unter Hochdruck flottgemacht.\u00a0<\/p><p>48:33\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0<\/p><p>Die Bilder zeigen Tatkraft, Entschlossenheit und Begeisterung. Sie \u00fcberspielen, da\u00df es beinah schiefgegangen w\u00e4re. \u00a0<\/p><p>48:53\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0<\/p><p>Als die Jermak ins Eismeer vorstie\u00df, waren andere ihr bereits zuvorgekommen.<\/p><p>\u00a0<\/p><p>48:59 O-Ton Sigurd Schmidt<\/p><p>Sie sind wie durch ein Wunder gerettet worden, es hatte sie viel schneller als erwartet davongetrieben. Und da verstanden wir die Aufregung von Otto Juljewitsch und fuhren ihm entgegen nach Leningrad. Mein Bruder Wladimir und ich. Und dort teilte er uns sehr lebendig die Gef\u00fchle mit, mit denen sie zur Rettung der Papanins aufgebrochen waren. Sie w\u00e4ren in den eigenen Untergang gefahren, wenn das fehlgeschlagen w\u00e4re.<\/p><p>\u00a0<\/p><p>Papanin-Lied untertitelt<\/p><p>Im Eismeer<\/p><p>Gegen die St\u00fcrme des Nordens<\/p><p>K\u00e4mpfte Iwan Papanin<\/p><p>270 N\u00e4chte lang<\/p><p>Vier Freunde bewachten<\/p><p>Die Rote Flagge ihrer Heimat<\/p><p>Bis dann von S\u00fcden<\/p><p>Die Eisbrecher kamen<\/p><p>Lebewohl Papanins Scholle<\/p><p>Arktische Finsternis, arktischer Schnee<\/p><p>Beendet ist der grause Zweikampf<\/p><p>Bezwungen hat der Mensch das Element<\/p><p>\u00a0<\/p><p>50:26 Kommentar<\/p><p>Pressekonferenz auf dem Eisbrecher Jermak. Im Hintergrund, an der Reling, Otto Schmidt. Er taucht nur och am Rande auf.\u00a0<\/p><p>50:42\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0<\/p><p>In all dem Jubel, der jetzt ausbrach, wurde es still um Otto Juljewitsch Schmidt. Ein Schatten war auf ihn gefallen. Sein Amt als Leiter der Hauptabteilung N\u00f6rdlicher Seeweg verlor er. An seine Stelle trat ein kleiner, dicklicher, jovialer Mann aus bescheidenen Verh\u00e4ltnissen.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0<\/p><p>51:10<\/p><p>Er war kein Forscher und hatte nichts von einem Wissenschaftler, aber er diente seinem Herrn mit ganzem Herzen.<\/p><p>51:40<\/p><p>Die Zeit ging \u00fcber alle hinweg, aber noch heute kennt in Ru\u00dfland jedes Kind seinen Namen:<\/p><p>Iwan Papanin.<\/p><p>\u00a0<\/p><p>\u00a0<\/p>\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/section>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>00:06\u00a0 Seit jeher zieht es Menschen in den Norden, ins Eis der Arktis. 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