{"id":296,"date":"2020-05-28T09:56:02","date_gmt":"2020-05-28T09:56:02","guid":{"rendered":"http:\/\/schmidt-paetzel.de\/?page_id=296"},"modified":"2020-05-28T09:56:50","modified_gmt":"2020-05-28T09:56:50","slug":"landschaft-des-heiligen-assisi-italien-kommentartext-von-andreas-christoph-schmidt","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/schmidt-paetzel.de\/?page_id=296","title":{"rendered":"Landschaft des Heiligen. Assisi, Italien, Kommentartext von Andreas Christoph Schmidt"},"content":{"rendered":"\t\t<div data-elementor-type=\"wp-page\" data-elementor-id=\"296\" class=\"elementor elementor-296\">\n\t\t\t\t\t\t<section class=\"elementor-section elementor-top-section elementor-element elementor-element-6819969 elementor-section-boxed elementor-section-height-default elementor-section-height-default\" data-id=\"6819969\" data-element_type=\"section\">\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-container elementor-column-gap-default\">\n\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-column elementor-col-100 elementor-top-column elementor-element elementor-element-8815da0\" data-id=\"8815da0\" data-element_type=\"column\">\n\t\t\t<div class=\"elementor-widget-wrap elementor-element-populated\">\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-element elementor-element-5674796 elementor-widget elementor-widget-text-editor\" data-id=\"5674796\" data-element_type=\"widget\" data-widget_type=\"text-editor.default\">\n\t\t\t\t<div class=\"elementor-widget-container\">\n\t\t\t\t\t\t\t<p>Wer einmal in Italien war, in einer der alten St\u00e4dte, im Sommer, abends auf der Piazza, der kennt das Gef\u00fchl. Diese Ahnung von Gl\u00fcck, das in alten Mauern zu nisten scheint. Assisi in Umbrien ist eine sehr alte Stadt. Den Tempel an der Piazza haben die R\u00f6mer hinterlassen. Die Grotesken im Gew\u00f6lbe gegen\u00fcber sind dagegen l\u00e4ppisch jung. Sie zierten einst den Eingang zum st\u00e4dtischen Freudenhaus, 16. Jahrhundert. Goethe kam tags\u00fcber nach Assisi, im Oktober 1786, und er wollte nichts sehen au\u00dfer dem Minervatempel: \u201eUnd siehe, das l\u00f6blichste Werk stand vor meinen Augen, das erste vollst\u00e4ndige Denkmal der alten Zeit, das ich erblickte. Was sich durch die Beschauung dieses Werks in mir entwickelt, ist nicht auszusprechen und wird ewige Fr\u00fcchte bringen.\u201c Den Tempel nehmen heute Reisende nur am Rande wahr.<\/p><p>Was Goethe aber links liegen lie\u00df, und zwar mit Abneigung, wie er betont, ist Hauptattraktion der Stadt. Nicht nur f\u00fcr Pilger, auch f\u00fcr Kunstreisende: Die Basilika San Francesco, in deren Krypta die Gebeine des Hl. Franz von Assisi verwahrt werden. San Francesco hat zwei Stockwerke, Ober- und Unterkirche; sie sind beide v\u00f6llig mit Fresken des 13. und 14. Jahrhunderts ausgemalt. Eins der fr\u00fchesten Portr\u00e4ts des Hl. Franz. Er steht neben der thronenden Madonna des florentinischen Meisters Cimabue \u2013 dies ist noch ganz die statuarische Malerei der Gotik. Direkt dar\u00fcber eine biblische Szene Giottos, der Cimabues Sch\u00fcler war. Dies ist bereits die perspektivische Malerei der Renaissance. Nirgends liegen Gotik und Renaissance n\u00e4her beieinander als in der Unterkirche von San Francesco in Assisi. Pietro Lorenzettis gro\u00dfe Kreuzigungsszene. Mit der Perspektive kam die Lebensechtheit und mit ihr die k\u00f6rperliche Sch\u00f6nheit. Dies sind Gesichter der Renaissance. Madonna der Sonnenunterg\u00e4nge, ebenfalls von Lorenzetti. Mit dem Daumen weist die Gottesmutter auf den Hl. Franz, der die Wundmale des Gekreuzigten tr\u00e4gt. Was soll diese Geste bedeuten? &#8222;Der da\u201c, scheint Maria dem Kind zu sagen, \u201ebist Du selbst. Er ist der zweite Christus. Der Erl\u00f6ser.\u201c H\u00f6her konnte man nicht greifen. Ein Bettelbruder als Messias. An den W\u00e4nden der Oberkirche schildern Giotto zugeschriebene Fresken Szenen aus dem Leben des Heiligen. Das bekannteste zeigt die Vogelpredigt. Sie hat wirklich stattgefunden. Hier auf einem Felde bei Bevagna, in Sichtweite Assisis.<\/p><p>Franz kam 1181 oder 82 zur Welt, in Assisi, als Sohn eines schwerreichen Kaufmanns. Im Dom S. Rufino wurde er getauft, wie auch einige Zeit nach ihm Friedrich II., der sp\u00e4tere Stauferkaiser. Sein Taufname war Giovanni. Francesco, Franz\u00f6schen, der Kosename, bei dem ihn sp\u00e4ter, vom Kreuz herab, auch Christus anreden sollte. In jener Zeit kamen die freien St\u00e4dte auf, das B\u00fcrgertum, der Wohlstand. Assisi unterstand mal dem Papst, mal dem Deutschen Kaiser, dessen Statthalter 1198 aus der Burg \u00fcber der Stadt vertrieben wurde. Lebhafte Zeiten waren das, Zeiten sozialen Umbruchs, und als w\u00e4ren sie nicht lebhaft genug, f\u00fchrten die St\u00e4dte auch noch Krieg untereinander. Assisi zog 1202 zu Feld gegen Perugia, das liegt gerade 30 km entfernt. Franziskus geriet dabei in Gefangenschaft und sa\u00df ein Jahr lang fest in der Nachbarstadt. Was er aber frohen Mutes ertragen haben soll. Danach zog es ihn in die Welt hinaus. Er wollte Ritter werden, obwohl er nicht adlig war, nur reich.<\/p><p>Er machte sich auf den Weg nach Apulien, kam aber nicht weit. Schon in Spoleto, das ist gerade jenseits der H\u00fcgel, gemahnte ihn ein Traum zur Umkehr.<\/p><p>Die sch\u00f6ne umbrische Landschaft ist wie die B\u00fchne eines Theaters. Ein Tal, das die Welt ist. Ein fruchtbares Tal, das der Kirche viele Heilige geschenkt hat. F\u00fcr Francesco kam der Tag im Jahr 1206.<\/p><p>San Damiano ist ein kleines Kl\u00f6sterchen unterhalb Assisis. Damals war es wohl sehr bauf\u00e4llig. Als Franz eintrat und betete, vernahm er vom Kreuz die Stimme Christi: \u201eFranziskus, geh und baue mein Haus wieder auf, das, wie du siehst, ganz und gar in Verfall ger\u00e4t.\u201c Die Szene von San Damiano in Giottos Fresko. Francesco nahm die Aufforderung w\u00f6rtlich, er beschaffte Geld zum Wiederaufbau des Klosters, und zwar, indem er es seinem Vater stahl. Dieser, ins Herz getroffen, verklagte den Sohn vor dem Bischof. So entt\u00e4uscht war er von seinem Franz\u00f6schen. Francesco aber riss sich die Kleider vom Leib und warf sie ihm hin. Nichts wollte er mehr haben, was seinem Vater geh\u00f6rte. \u201eDu bist nicht mehr mein Vater, mein Vater ist der da oben.\u201c<br \/>Und die Kirche? Die schon manch anderen religi\u00f6sen Hitzkopf verketzert hatte? Bedeckte Franzens Bl\u00f6\u00dfe und gab ihm ihren Segen. In das Kl\u00f6sterchen von San Damiano zog 1212 eine Gemeinschaft frommer Frauen um die sp\u00e4ter heiliggesprochene Klara von Assisi. Sie lebten hier in strenger Armut und Abgeschiedenheit nach der Regel des Hl. Franz. Auf Klara und ihre Schwester Agnes geht der Orden der Klarissen zur\u00fcck. Eine Orchidee bezeichnet den Platz im Refektorium, den Klara 40 Jahre lang innehatte.<\/p><p>Santa Maria degli Angeli, zu Fu\u00dfe des am Hang gelegenen Assisi, ist \u2013 wie auch San Francesco in Assisi selbst &#8211; eine Basilica Maior, das hei\u00dft eine der sieben rangh\u00f6chsten katholischen Kirchen. Sie w\u00f6lbt sich m\u00e4chtig \u00fcber einer kleinen alten Kapelle, der Porziunkula, bei der Franz sich oft aufhielt und in deren N\u00e4he er 1226 starb. 1208 hatte er hier eine Predigt \u00fcber die Aussendung der J\u00fcnger Jesu geh\u00f6rt: \u201eGebt alles den Armen. Nehmt nichts mit auf den Weg.\u201c Das war der eigentliche Beginn der franziskanischen Bewegung. Franz zog seine Schuhe aus und ging von nun an in grober Kutte, um die er einen Strick gebunden hatte. Bald schlossen sich ihm erste Gef\u00e4hrten an. \u201eDies ist die Pforte zum ewigen Leben\u201c, steht \u00fcber dem Eingang der Kapelle.<\/p><p>Eine kleine Kapelle in einem gro\u00dfen Dom. Kein schlechtes Bild an sich f\u00fcr die Franziskaner. Eine Kirche in der Kirche. Ganz verdauen, ganz sich einverleiben konnte Rom den Hl. Franz und seine Anh\u00e4nger nicht. Die franziskanische Bewegung: Bald nach dem Tod des Gr\u00fcnders gespalten, unterwandert, blieb sie doch immer das etwas andere in der katholischen Glaubenswelt.<\/p>\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/section>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer einmal in Italien war, in einer der alten St\u00e4dte, im Sommer, abends auf der Piazza, der kennt das Gef\u00fchl. 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