{"id":317,"date":"2020-05-28T10:15:11","date_gmt":"2020-05-28T10:15:11","guid":{"rendered":"http:\/\/schmidt-paetzel.de\/?page_id=317"},"modified":"2020-05-28T10:15:33","modified_gmt":"2020-05-28T10:15:33","slug":"griff-nach-der-freiheit-der-17-juni-1953-kommentartext","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/schmidt-paetzel.de\/?page_id=317","title":{"rendered":"Griff nach der Freiheit &#8211; der 17. Juni 1953, Kommentartext"},"content":{"rendered":"\t\t<div data-elementor-type=\"wp-page\" data-elementor-id=\"317\" class=\"elementor elementor-317\">\n\t\t\t\t\t\t<section class=\"elementor-section elementor-top-section elementor-element elementor-element-2ec3b95 elementor-section-boxed elementor-section-height-default elementor-section-height-default\" data-id=\"2ec3b95\" data-element_type=\"section\">\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-container elementor-column-gap-default\">\n\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-column elementor-col-100 elementor-top-column elementor-element elementor-element-ab38e03\" data-id=\"ab38e03\" data-element_type=\"column\">\n\t\t\t<div class=\"elementor-widget-wrap elementor-element-populated\">\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-element elementor-element-fe2e7af elementor-widget elementor-widget-text-editor\" data-id=\"fe2e7af\" data-element_type=\"widget\" data-widget_type=\"text-editor.default\">\n\t\t\t\t<div class=\"elementor-widget-container\">\n\t\t\t\t\t\t\t<p class=\"text\">00:07 Der 17. Juni 1953 \u2013 ein Tag, der immer wieder in Vergessenheit zu geraten droht. Wer\u00a0\u00a0\u00a0 wei\u00df, was da war?<\/p><p class=\"text\">\u00a0<\/p><p class=\"text\">00:22\u00a0Aufstand in der DDR. Was f\u00fcr ein Aufstand? Wessen Aufstand? Warum?<\/p><p class=\"text\">\u00a0<\/p><p class=\"text\">00:42\u00a0Am Nachmittag zogen sowjetische Panzer in Ost-Berlin auf.<\/p><p class=\"text\">\u00a0<\/p><p class=\"text\">01:07\u00a0Der Tag danach. Was man so \u201eRuhe und Ordnung\u201c nennt. Es hat Tote und Verletzte gegeben. Der Spuk ist vorbei. Scheinbar.<br \/>Etwas blieb haften. F\u00fcr immer, bis ans Ende der DDR. Peter Ruben, Philosoph aus Ost-Berlin.<\/p><p class=\"text\">\u00a0<\/p><p class=\"text\">02:31\u00a0Die Arbeiterklasse, dargestellt in einem Wandbild am Haus der Ministerien in Berlin, das zuvor Reichsluftfahrtministerium gewesen war und heute das Bundesfinanzministerium ist. Das Bild einer unter F\u00fchrung der Arbeiterklasse gl\u00fccklich und produktiv vereinigten Gesellschaft. Der Platz hei\u00dft seit kurzem \u201ePlatz des 17. Juni\u201c<\/p><p class=\"text\">\u00a0<\/p><p class=\"text\">03:02\u00a0Auch dies ist ein Bild der Arbeiterklasse, wie die Staatspartei SED sie sich w\u00fcnschte. Demonstration am 21. Juni 1953. Ministerpr\u00e4sident Grotewohl und Parteichef Ulbricht trauten sich wieder vor das Volk. Vor dem Haus der Ministerien. Zuvor waren sie untergetaucht. Der Aufstand, sagten sie, war kein Aufstand, sondern ein faschistischer Putschversuch.<\/p><p class=\"text\">\u00a0<\/p><p class=\"text\">04:14\u00a0Walter Ulbricht, der sich \u201eBaumeister des Sozialismus\u201c nennen lie\u00df. Wie man den Sozialismus aufbaut, hatte er in den drei\u00dfiger Jahren in Moskau gelernt, bei Stalin. Aber es gab einen gro\u00dfen Unterschied zu Stalins Reich: Ulbrichts Untertanen konnten fliehen. Es gab noch keine Mauer damals. Allein im M\u00e4rz 1952 flohen 31000\/42000.<\/p><p class=\"text\">Der Baumeister f\u00e4hrt aufs Land. Zu der immer schlechter werdenden Ern\u00e4hrungslage trug die Zwangskollektivierung der Landwirtschaft und die darauf folgende Flucht vieler Bauern in gro\u00dfem Ma\u00dfe bei. Die Produktionsgenossenschaften funktionierten nicht wie geplant.<\/p><p class=\"text\">Die Arbeitsproduktivit\u00e4t in der Industrie sollte um 72% steigen. Um das zu erreichen, wurden die Normen heraufgesetzt. In der Propaganda ging es dabei demokratisch und freiwillig zu, in der Realit\u00e4t kam es zu Streiks. Im Mai 1953 machte die SED Schlu\u00df mit den Diskussionen. Die Normerh\u00f6hung wurde jetzt befehlsm\u00e4\u00dfig angeordnet.<\/p><p class=\"text\">Baustelle Stalinallee. Ein Aufatmen schien durchs Land zu gehen. Hier allerdings, bei den stolzen Bauarbeitern\u00a0des Rennommierprojekts, las man die Beschl\u00fcsse zum Neuen Kurs kritisch. Kein Wort von einer R\u00fccknahme der Normerh\u00f6hung. Das Regime schwankte, hatte Schw\u00e4che gezeigt. Aber an den Normen glaubte es festhalten zu k\u00f6nnen?<\/p><p class=\"text\">Dienstag, 16. Juni. Marsch der Arbeiter von der Stalinallee zum Haus der Ministerien. Pl\u00f6tzlich stand da eine Arbeiterklasse, mit deren Auftreten niemand gerechnet hatte. Kein Ulbricht, kein Grotewohl wagte sich vor die Menge. Ein Minister niederen Rangs, Selbmann mit Namen, verk\u00fcndete sofort die R\u00fccknahme der Normen, aber es war zu sp\u00e4t \u2013 andere Forderungen waren laut geworden: Freie Wahlen! Nieder mit der Regierung!<\/p><p class=\"text\">Im Westen waren alle \u00fcberrascht, sogar die, die sich den Kampf gegen die DDR auf die Fahnen geschrieben hatten.<\/p><p class=\"text\">\u00a0<\/p><p class=\"text\">12:32\u00a0Am 17. Juni kam es \u00fcberall im Zentrum Ost-Berlins zu Menschenaufl\u00e4ufen. Von den Fabriken an den Stadtr\u00e4ndern \u2013 es gab damals noch Industrie in Berlin \u2013 zogen Arbeiter in die Stadtmitte. Der Zug der Arbeiter von Hennigsdorf f\u00fchrte durch den franz\u00f6sischen Selktor, und darum konnte er gefilmt werden. Begeisterte Gesichter.<\/p><p class=\"text\">\u00a0<\/p><p class=\"text\">14:18\u00a0Auf dem Obermarkt, damals Leninplatz in G\u00f6rlitz. Eine durch die Oder-Nei\u00dfe-Linie geteilte Stadt, aus deren Ostteil die Deutschen vertrieben worden waren. Die meisten von ihnen lebten schlecht und recht in G\u00f6rlitz. Die Revidierung der Ostgrenze war daher hier eine der ersten Forderungen.<\/p><p class=\"text\">Es wurde ein Stadtkomitee gebildet, der B\u00fcrgermeister abgew\u00e4hlt, eine B\u00fcrgerwehr ins Leben gerufen. Die SED-Kreisleitung und die Dienststelle der Stasi wurden gest\u00fcrmt.<\/p><p class=\"text\">\u00a0<\/p><p class=\"text\">16:46\u00a0Der sowjetische Hochkommissar Semjomow, seit Anfang des Monats, seit dem Scheitern von Ulbrichts Sozialismus-Aufbau im Amt. Bei ihm liefen die F\u00e4den zusammen und an seinem Amtssitz in Berlin-Karlshorst versteckte sich die DDR-Regierung am 17. Juni. F\u00fcr einen Tag lag ihre Bedeutungslosigkeit offen.<\/p><p class=\"text\">\u00a0<\/p><p class=\"text\">17:27\u00a0\u00a0 Fr\u00f6hliche Gesichter in Halle. Am Morgen waren die Arbeiter der Lowa-Werke, Lokomotiv- und Waggonbau, ins Zentrum marschiert und hatten immer mehr Menschen mit sich genommen. Auf dem Hallmarkt versammelten sich 60000.<\/p><p class=\"text\">\u00a0<\/p><p class=\"text\">18:20\u00a0R\u00fccktritt der Regierung; freie, geheime, gesamtdeutsche Wahlen. R\u00fccknahme der Normen, Senkung der Lebensmittelpreise, Erh\u00f6hung der Renten \u2013 alles kam hier zusammen. Und tags darauf die Forderung, die Toten des Vortags w\u00fcrdig bestatten zu d\u00fcrfen.<\/p><p class=\"text\">\u00a0<\/p><p class=\"text\">19:55\u00a0Berlin. W\u00e4hrend die Kasernierte Volkspolizei versucht, das Haus der Ministerien zu sichern, gehen am Potsdamer Platz Kioske in Flammen auf. Das Columbus-Haus, ein ehemaliges Warenhaus, in dem jetzt eine Polizeidienststelle einquartiert ist, wird belagert.<\/p><p class=\"text\">SED-Funktion\u00e4re werden erkannt und verpr\u00fcgelt. Die West-Berliner Polizei f\u00fchrt einen von ihnen ab \u2013 in Sicherheit. Die erkl\u00e4rte Gewaltlosigkeit, mit der 1989 gegen die SED-Herrschaft demonstriert wurde, geht zum Teil auf die Erfahrung von 1953 zur\u00fcck.<\/p><p class=\"text\">\u00a0<\/p><p class=\"text\">22:26 Rathenow an der Havel, vor dem ehemaligen HO-Kaufhaus. Hier kam es in der Tat zu einem Lynchmord, dem einzigen. Beobachtet wurde er von Schulkindern.<\/p><p class=\"text\">Hagedorn war Volkspolizist gewesen, jetzt Leiter des HO-Betriebs, wo ihn die Menge aufsp\u00fcrte. Einmal soll er damit geprahlt haben, da\u00df er 300 Faschisten und Agenten in Gef\u00e4ngnis gebracht habe, daher der Ha\u00df. Auch Ursula Jautzkes Vater war im Gerf\u00e4ngnis.<\/p><p class=\"text\">\u00a0<\/p><p class=\"text\">25:27\u00a0Es waren\u00a0mehr Menschen hier, als Bitterfeld Einwohner hatte \u2013 12000 allein waren von den AGFA-Werken in Wolfen gekommen. Sie formulierten Forderungen, diktierten dem Lehrere Fiebelkorn ein Telegramm an die Regierung und sangen gemeinsam das Deutschlandlied. Viele konnten sihc der Tr\u00e4nen nicht erwehren.<\/p><p class=\"text\">Es kam an und fand sofort seinen Weg in die Akte des Streikf\u00fchrers Paul Othma, der nach der Versammlung mit anderen das Rathaus besetzt hatte. 12 Jahre Haft war die Strafe. \u201eDer Faschist Othma\u201c.<\/p><p class=\"text\">\u00a0<\/p><p class=\"text\">27:48\u00a0Brandenburg. Das Geb\u00e4ude der Generalstaatsanwaltschaft, damals Amtsgericht.Hier hatte der 17. Juni eigentlich schon am 12. begonnen, direkt nach der Verk\u00fcndigung des Neuen Kurses. Weil eine Frau vergeblich auf die Freilassung ihres Mannes wartete, eines inhaftierten Transportunternehmers. Der heutige Generalstaatsanwalt hat die Geschichte seines Hauses studiert.<\/p><p class=\"text\">\u00a0<\/p><p class=\"text\">30:47 Halle am fr\u00fchen Nachmittag. 700 Demonstranten stehen vor dem Gef\u00e4ngnis \u201eRoter Ochse\u201c. Hier war auch die Untersuchungshaftanstalt des Ministeriums f\u00fcr Staatssicherheit. Die Polizei hat Schie\u00dfbefehl \u2013 f\u00fcnf\/vier Tote und zahlreiche Verletzte.<\/p><p class=\"text\">In der Kleinen Steinstra\u00dfe \u2013 auch dort war ein Gef\u00e4ngnis \u2013 wurden viele Gefangene befreit, die meisten waren Frauen. Fast alle wurden schon in der Nacht wieder eingefangen.<\/p><p class=\"text\">\u00a0<\/p><p class=\"text\">31:49\u00a0Unter ihnen war auch Erna Dorn, die vermeintliche KZ-Aufseherin, die sich nach ihrer Befreiung an die Spitze des Aufstands gestellt und Reden gehalten haben soll.<\/p><p class=\"text\">Sie wurde zum Tode verurteilt. Eine verwirrte Frau, die wohl keins der Verbrechen begangen hatte, derer sie sich immerzu bezichtigte.<\/p><p class=\"text\">\u00a0<\/p><p class=\"text\">32:59\u00a0Fr\u00f6hliche Gesichter in Leipzig. Gegen Mittag waren hier sch\u00e4tzungsweise 100000 Menschen auf den Stra\u00dfen. Auch hier waren Staatsanwaltschaft und U-Haft-Anstalt ein Brennpunkt. \u00dcberall in der DDR Sturm auf die Bastille.Wer zweifelte noch daran, dass der Aufstand erfolgreich, dass eine Revolution im Gange war? Doch dann kamen die Panzer.<\/p><p class=\"text\">\u00a0<\/p><p class=\"text\">35:05\u00a0Berlin, Potsdamer Platz. Die Pollizeistation im Columbia-Haus wird gepl\u00fcndert. Wenig sp\u00e4ter steht das Haus in Flammen. Den Nutzen hatte die DDR-Regierung: Das konnten doch nur faschistische Agenten aus dem Westen getan haben!<\/p><p class=\"text\">\u00a0<\/p><p class=\"text\">38:34 Was fing der Westen\u00a0nun mit dem 17. Juni an? Man hatte zugesehen. Man hatte nichts kommen sehen. Und schon gar nicht hatte man helfen k\u00f6nnen. Die Botschaft nach \u201edr\u00fcben\u201c war: Ihr seid allein. Wir sind machtlos. Wir werden den 17. Juni fortan f\u00fcr Euch feiern. Als Tag der \u201edeutschen Einheit\u201c.<\/p>\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/section>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>00:07 Der 17. Juni 1953 \u2013 ein Tag, der immer wieder in Vergessenheit zu geraten droht. Wer\u00a0\u00a0\u00a0 wei\u00df, was da war? \u00a0 00:22\u00a0Aufstand in der [&#8230;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v21.8.1 - https:\/\/yoast.com\/wordpress\/plugins\/seo\/ -->\n<title>Griff nach der Freiheit - der 17. 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