Schmidt & Paetzel Fernsehfilme
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Rußlands wilde Dichter

 

Filmemacherin Christiane Bauermeister hat sich in der quirligen russischen Literaturszene umgesehen. Sie zog durch Clubs und Buchhandlungen, traf die ganz Jungen, aber auch Berühmtheiten wie Vladimir Sorokin, den Skandalautor, der gerade erst vom Vorwurf der Pornografie freigesprochen wurde, Boris Akunin und Polina Daschkowa, die meist gelesenen Krimiautoren Russlands - Akunin wird oft mit Umberto Eco verglichen -, und Victor Jerofejew, den international bekannten Autor und Förderer des literarischen Nachwuchses.


"Was ist dein Thema?" fragt Wjatscheslaw Kuryzin, als Literaturkritiker eine Kultfigur im russischen Web, seinen Kumpel, den Slam-Poeten Andrej Rodionow, und der sagt: "Ich selbst! Das ist das Haupthema, was sonst?" - Zum ersten Mal seit einigen hundert Jahren konnte in Russland eine Schriftsteller-Generation ohne Gängelei oder Zensur heranwachsen. Befreit vom Dienst an der Ideologie schreiben sie radikal subjektiv, über die eigene Erfahrung, Empfindung, Sexualität.


"Ich schreibe über Sex und Gewalt als Bestandteil des Lebens" sagt Wladimir Koslow, Schriftsteller, Journalist und Punk-Musiker. "Über Jungs" lacht die 21jährige Irina Deneschkina, die noch studiert und mit ihrem Erstling - "Gib’s mir" heißt auf russisch sinngemäß der Titel - über Nacht ein Star wurde. Ihr Buch ist bereits in viele Sprachen übersetzt.


Doch obwohl sich Russlands junge Wilde egozentrisch und experimentierfreudig geben: Die ehrwürdige Tradition der großen russischen Dichter ist noch lebendig. Die Russen - ein Volk von Lesern: Wer in Moskau eine U-Bahn besteigt, sieht in Bücher vertiefte Menschen reihenweise. "Anscheinend ist unser Leben immer noch so, dass wir uns hinter den Büchern verstecken müssen" meint die Schriftstellerin Vera Pawlowa. Michail Schwydkoj, unter Putin Minister für Kultur, sieht das etwas anders: "Zu den Sowjetzeiten lebten wir in einem Land, in dem das Lesen interessanter war als das Leben. Und seit den Neunzigern leben wir in einem Land, in dem das Leben, sagen wir, nicht weniger interessant ist als das Lesen."


Mitwirkende: Boris Akunin, Schisch Brjanskij, Polina Daschkowa, Vladimir Sorokin, Vera Pavlova, Anastassija Gostjeva, Andrej Rodionow, Wladimir Koslow, Irina Deneschkina, Ilja Stogoff, Sergej Schargun


Buch und Regie: Christiane Bauermeister / Kamera: Fedor Simul / Schnitt: Michael Auer / Ton: Ljudmila Rubina / Tonmischung: Gerhard Jensen-Nelson / Sprecher: Hanns Zischler / Aufnahmeleitung und Recherche: Olga Fedianina / Produktionsleitung: Cordula Paetzel / Redaktion: Martina Zöllner / Eine Produktion von Schmidt & Paetzel Fernsehfilme / Im Auftrag des Südwestrundfunks / In Zusammenarbeit mit ARTE
58'36'' / 4:3 / Stereo / F / © 2003 SWR ARTE